Im
Raum Geinsheim bei Neustadt an der Weinstraße wurden in den letzten
Jahren mehrere Projekte, zum Teil mit erheblichem Aufwand, umgesetzt,
um Gewässerstrukturen ökologisch aufzuwerten.
Um
interessierten Bürgern die Früchte dieser Arbeit zu zeigen und
ihnen Einblicke in einige der artenreichsten Bereiche zu gewähren,
haben 2 der Hauptakteure dieser Maßnahmen zu einer Exkursionsreihe
eingeladen.
Martin
Grund (NABU Neustadt) und Klaus Hünerfauth (Untere
Naturschutzbehörde Neustadt) führen und moderieren an 3 Terminen im
April einen Gewässerspaziergang jeweils in eines der Projektgebiete.
Zur
ersten Exkursion aus dieser Reihe trafen sich am 7.4.2016 am frühen Abend 35 Naturinteressierte auf dem Geinsheimer
Sportplatz-Parkplatz und machten sich auf den Weg in den Großwald
südlich der B39. Nach einem kurzen Gang war der Kropsbach erreicht,
der in diesem Abschnitt in einem schnurgerade angelegten etwa 3m
breiten Graben, dem sogenannten Schlaggraben, fließt. Die erste
Station der Führung war an einer Stelle erreicht, an der von diesem
ein kleinerer Bach mit etwa einem Drittel der Wassermenge abzweigt
und sich mit flachen, sumpfigen Ufern malerisch zwischen den Bäumen
dahinschlängelt.
Hier
erläuterte Klaus Hünerfauth das eigentliche Thema dieser Führung:
die von der Stadt Neustadt initiierte und umgesetzte Reaktivierung
des seit 200 Jahren trockengelegten ursprünglichen Verlaufs des
Kropsbaches.
Mit
wasserbaulichen Maßnahmen, wie der „rauen Rampe“, mit der der
Bach an dieser Stelle seit dem Herbst 2015 angestaut und zum Teil in
sein altes Bett ausgeleitet wird, wurde hier ein Fließgewässer
wieder neu zum Leben erweckt, das in seiner Strukturvarianz und damit
dem ökologischen Wert den bisherigen Graben bei weitem übertrifft.
Mit spürbarer Begeisterung erklärte Herr Hünerfauth die
Entstehungsmechanismen von Mäandern und die Zusammenhänge von
Fließgeschwindigkeit, Suspensionsfracht und Beschaffenheit der
Bachsohle.
Im
weiteren Verlauf der Wanderung bekamen die Teilnehmer auch die
anderen wasserbaulichen Maßnahmen zu Gesicht, wie 2 weitere Rampen,
2 Furten für den forstwirtschaftlichen Verkehr und schließlich
einen künstlichen Durchstich, mit dem die Bäche nach etwa 1,6 km
unter Umgehung eines Abschnitts des Altgerinnes mit stehendem Wasser
wieder zusammengeführt werden.
Auch
wurde beim Gang durch diesen Sumpfwald schnell deutlich, dass es sich
ökologisch um ein wirkliches Highlight der Region handelt. Wie die
umfangreichen Umweltprüfungen im Rahmen der Vorplanung des Projektes
ergeben hatten handelt es sich genaugenommen sogar um die
bedeutendsten Erlenbruchwälder im Oberrheingraben außerhalb der
Altrheinauen. Riesige Eschen, Stieleichen und Flatterulmen und ein
außergewöhnlich hoher Totholzanteil sorgen für reichlich
Lebensraum für etliche Spechtarten, Fledermäuse und Insektenarten.
Mit 135 nachgewiesenen Vogelarten, fast allen heimischen
Amphibienarten in außergewöhnlich hoher Bestandsdichte und einem
der besten Vorkommen der seltenen Haselmaus kann man das Gebiet
getrost einen Hotspot der Biodiversität nennen.

Die
erstaunliche Vielfalt verschiedener wassergeprägter Lebensraumtypen
mit ihren jeweils eigenen Pflanzen- und Tiergesellschaften auf so
engem Raum liegt zum einen an der Kombination aus strukturreichen
Fließ- und Stillgewässern. Zum anderen auch an einer geographischen
Besonderheit aus der letzten Eiszeit. Zu dieser Zeit war das Gebiet
des Speyerbach-Schwemmfächers unbewaldet, und der Sand, den die
Strömung aus dem Sandstein des Pfälzerwaldes ausgewaschen hatte,
fein genug, um von starken Winden transportiert zu werden. So
entstand ein Mosaik aus Ausblasungswannen, die sich heute als
Erlensumpf oder Erlenbruch darstellen, und erhabenen Flugsanddecken
bis hin zu Dünen. Durch die Nähe des anstehenden
Grundwasserspiegels können schon ein Reliefunterschied von einem
halben Meter und die andere Bodenbeschaffenheit Bedingungen für eine
völlig verschiedene Artenzusammensetzung bieten.
Die
Reaktivierung des alten Kropsbaches ist ganz im Sinne der
EU-Wasserrahmenrichtlinie, die eine Strukturverbesserung von
Gewässern fordert und wurde daher durch die Aktion Blau plus des
Landes Rheinland-Pfalz mit der Übernahme von beinahe der Hälfte der
Kosten unterstützt.
Vielen
Dank von meiner Seite an die Organisatoren für diese lehrreiche
Exkursion,
Daniel
Salzer, NABU Neustadt