Posts mit dem Label Kropsbach werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kropsbach werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 16. April 2016

Gewässerspaziergang Teil 1: Schlaggraben und Kropsbach im Geinsheimer Wald

Im Raum Geinsheim bei Neustadt an der Weinstraße wurden in den letzten Jahren mehrere Projekte, zum Teil mit erheblichem Aufwand, umgesetzt, um Gewässerstrukturen ökologisch aufzuwerten.
Um interessierten Bürgern die Früchte dieser Arbeit zu zeigen und ihnen Einblicke in einige der artenreichsten Bereiche zu gewähren, haben 2 der Hauptakteure dieser Maßnahmen zu einer Exkursionsreihe eingeladen.
Martin Grund (NABU Neustadt) und Klaus Hünerfauth (Untere Naturschutzbehörde Neustadt) führen und moderieren an 3 Terminen im April einen Gewässerspaziergang jeweils in eines der Projektgebiete.

Zur ersten Exkursion aus dieser Reihe trafen sich am 7.4.2016 am frühen Abend 35 Naturinteressierte auf dem Geinsheimer Sportplatz-Parkplatz und machten sich auf den Weg in den Großwald südlich der B39. Nach einem kurzen Gang war der Kropsbach erreicht, der in diesem Abschnitt in einem schnurgerade angelegten etwa 3m breiten Graben, dem sogenannten Schlaggraben, fließt. Die erste Station der Führung war an einer Stelle erreicht, an der von diesem ein kleinerer Bach mit etwa einem Drittel der Wassermenge abzweigt und sich mit flachen, sumpfigen Ufern malerisch zwischen den Bäumen dahinschlängelt.


Hier erläuterte Klaus Hünerfauth das eigentliche Thema dieser Führung: die von der Stadt Neustadt initiierte und umgesetzte Reaktivierung des seit 200 Jahren trockengelegten ursprünglichen Verlaufs des Kropsbaches.
Mit wasserbaulichen Maßnahmen, wie der „rauen Rampe“, mit der der Bach an dieser Stelle seit dem Herbst 2015 angestaut und zum Teil in sein altes Bett ausgeleitet wird, wurde hier ein Fließgewässer wieder neu zum Leben erweckt, das in seiner Strukturvarianz und damit dem ökologischen Wert den bisherigen Graben bei weitem übertrifft. Mit spürbarer Begeisterung erklärte Herr Hünerfauth die Entstehungsmechanismen von Mäandern und die Zusammenhänge von Fließgeschwindigkeit, Suspensionsfracht und Beschaffenheit der Bachsohle.
Im weiteren Verlauf der Wanderung bekamen die Teilnehmer auch die anderen wasserbaulichen Maßnahmen zu Gesicht, wie 2 weitere Rampen, 2 Furten für den forstwirtschaftlichen Verkehr und schließlich einen künstlichen Durchstich, mit dem die Bäche nach etwa 1,6 km unter Umgehung eines Abschnitts des Altgerinnes mit stehendem Wasser wieder zusammengeführt werden.

Auch wurde beim Gang durch diesen Sumpfwald schnell deutlich, dass es sich ökologisch um ein wirkliches Highlight der Region handelt. Wie die umfangreichen Umweltprüfungen im Rahmen der Vorplanung des Projektes ergeben hatten handelt es sich genaugenommen sogar um die bedeutendsten Erlenbruchwälder im Oberrheingraben außerhalb der Altrheinauen. Riesige Eschen, Stieleichen und Flatterulmen und ein außergewöhnlich hoher Totholzanteil sorgen für reichlich Lebensraum für etliche Spechtarten, Fledermäuse und Insektenarten. Mit 135 nachgewiesenen Vogelarten, fast allen heimischen Amphibienarten in außergewöhnlich hoher Bestandsdichte und einem der besten Vorkommen der seltenen Haselmaus kann man das Gebiet getrost einen Hotspot der Biodiversität nennen.


Die erstaunliche Vielfalt verschiedener wassergeprägter Lebensraumtypen mit ihren jeweils eigenen Pflanzen- und Tiergesellschaften auf so engem Raum liegt zum einen an der Kombination aus strukturreichen Fließ- und Stillgewässern. Zum anderen auch an einer geographischen Besonderheit aus der letzten Eiszeit. Zu dieser Zeit war das Gebiet des Speyerbach-Schwemmfächers unbewaldet, und der Sand, den die Strömung aus dem Sandstein des Pfälzerwaldes ausgewaschen hatte, fein genug, um von starken Winden transportiert zu werden. So entstand ein Mosaik aus Ausblasungswannen, die sich heute als Erlensumpf oder Erlenbruch darstellen, und erhabenen Flugsanddecken bis hin zu Dünen. Durch die Nähe des anstehenden Grundwasserspiegels können schon ein Reliefunterschied von einem halben Meter und die andere Bodenbeschaffenheit Bedingungen für eine völlig verschiedene Artenzusammensetzung bieten.

Die Reaktivierung des alten Kropsbaches ist ganz im Sinne der EU-Wasserrahmenrichtlinie, die eine Strukturverbesserung von Gewässern fordert und wurde daher durch die Aktion Blau plus des Landes Rheinland-Pfalz mit der Übernahme von beinahe der Hälfte der Kosten unterstützt.


Vielen Dank von meiner Seite an die Organisatoren für diese lehrreiche Exkursion,

Daniel Salzer, NABU Neustadt

Samstag, 24. Oktober 2015

Ein alter Bachlauf entsteht neu

Die Stadt Neustadt reaktiviert im Geinsheimer Wald den ursprünglichen Verlauf des Kropsbaches auf ca. 2 km Länge. Ein hochinteressantes Projekt, das den Geinsheimer Raum für den Erhalt der Artenvielfalt künftig noch bedeutsamer werden läßt. Zum Erhalt wertvoller Stillwasserflächen (Amphibienlaichgewässer) muss die Rückmündung in den begradigten Abschnitt neu verlegt werden. Durch den Wald wird deshalb neu auf ca 200 m eine organisch gewundene Trasse gebaggert. Aktuell wird die Maßnahme umgesetzt.

Foto oben: wo man jetzt noch gut laufen kann, wird bald Wasser fließen

Foto unten: Bau einer Furt an einer Forstwegquerung

Sonntag, 8. März 2015

Meilenstein Hausgraben: Stahlschwelle eingebaut!

Was lange währt...: nach einem durch die Stadt Neustadt genehmigten dreijährigem Probebetrieb mit Monitoring haben die GNOR und der NABU Neustadt/Weinstr. kurz vor Weihnachten 2014 die wasserrechtliche Dauergenehmigung zum jährlichen Aufstau des Hausgrabens zwischen Januar und Ende Juni erhalten. Der Probebetrieb und die Dauergenehmigung wurde fachlich eng mit der SGD Süd abgestimmt, vielen Dank für die sehr gute Zusammenarbeit und die ausgezeichnete Unterstützung! Aus Naturschutzsicht handelt es sich mit großem Abstand um die bedeutendste Staumaßnahme auf Neustadter Gemarkung, sie wurde in den vergangenen Jahren auch sehr eng mit den Interessen und Bedürfnissen des Golfclubs abgestimmt!

Gestern haben wir zu viert (2x GNOR und 2x NABU ;-) die zentrale Maßnahme umgesetzt: eine ca. 80 kg schwere, feuerverzinkte Metallschwelle wurde erfolgreich millimetergenau eingebaut. Die zwei Meter breite Schwelle wurde dabei fast 50 cm tief in den Boden eingeschlagen, sie ist zusätzlich mit zwei 80 cm langen Metallstäben gesichert!

Die offene Metallschwelle definiert das oberste genehmigte Stauziel, das vor allem im Hinblick auf die Interessen des Golfclub Pfalz e.V. vereinbart wurde. Das Wasser fließt jetzt bis Ende Juni in die Großlache und stabilisiert im sog. Stiftungsgelände die Wasserführung. Auch werden Erlenbruchwaldbereiche entlang des Hausgrabens optimal mit Wasser versorgt!

Der korrekte Betrieb der "wasserbaulichen Anlage" (so heißt das im Behördendeutsch) wird unter anderem durch zwei Pegel überwacht: im Bereich der Brücke B39 und im Graben an der Spielbahn Nr. 11 (Golfclub Pfalz e.V.). 


Der "graue Balken"ist die millimetergenau eingebaute Metallschwelle im Bereich der Hausgrabenmündung. Im Hintergrund fließt das Wasser aus dem Hausgraben in den Kropsbach. Im Probebetrieb befanden sich hier zwei PE-Rohre DN300, sie wurden durch den offenen Abfluss und die Stahlschwelle ersetzt.

Donnerstag, 13. Juni 2013

Frühexkursion zu den Vögeln der Hintergraben-Niederung



Sonntag, 9. Juni 2013

Frühexkursion zu den Vögeln der Hintergraben-Niederung und des FFH-Gebiets “Kropsbachniederung“ zwischen Duttweiler und Geinsheim



Es ist Sonntagmorgen kurz vor 5 Uhr, über der Küferei/Sektkellerei Gschwindt in Duttweiler hellt sich der Nachthimmel langsam zu einem zarten Rosa auf. Auf dem Parkplatz treffen nach und nach 13 Frühaufsteher ein, unauffällig und wetterfest gekleidet, teilweise schwer bepackt mit Kameras, Ferngläsern und Spektiven.
Anlass war die Einladung zur gemeinsamen Vogelkundlichen Frühexkursion der Naturschutzverbände BUND, GNOR, POLLICHIA und NABU. Organisiert und geführt wurde die Wanderung von Volker Platz, moderiert von Clement Heber.


 Nach kurzer Begrüßung ging es los, auf einem Feldweg über den Kropsbach und an diesem entlang Richtung Osten. Kaum ein paar Meter weit gekommen wurde schon die erste Pause gemacht, um in das morgendliche Vogelkonzert hinein zu lauschen. Trotz des Blätterrauschens im Wind konnten die Geübten unter den Zuhörern die vielen Stimmen der durcheinander singenden Amseln, Meisen, Ammern, Grasmücken und Stare mühelos auseinander halten. Dann machte C. Heber uns auf die tiefen und monotonen Rufe der Hohltauben aufmerksam, die in Höhlen der alten Pappelstämme brüten. Als der Regenruf des Buchfinken erklingt, schauen manche beunruhigt zu den dunklen Wolken, die sich vom Pfälzer Wald her nähern.
Und so ging es zügig weiter, vorbei an Wiesen, Baumgruppen und Gebüschen mit kleinen Pausen, wann immer einer der Teilnehmer etwas Neues zu hören oder zu sehen glaubte. An einer Stelle gelang es kurz, sämtliche Spektive auf einen Neuntöter auf einem Weidezaunpfahl scharf zu stellen, wenig weiter lauschten alle andächtig dem wohlklingenden Gesang einer Nachtigall. Mit beeindruckender Sicherheit registrierte, lokalisierte und bestimmte der gelernte Geigenbaumeister jedes noch so leise Gezwitscher des Baumpiepers, jeden noch so weit entfernten Ruf des Pirols.
Einzig dem Sumpfrohrsänger gelang es kurzfristig, selbst die erfahrenen Ornithologen zu narren, indem er erst die Dorngrasmücke und dann einen Grünfink täuschend echt nachahmte.
Über uns konnten wir einen Schwarzmilan, dann einen Turmfalken und schließlich sogar ein Pärchen Baumfalken fliegen sehen.

Die Landschaft der Hintergraben-Niederung ist ein strukturreiches Mosaik aus offenen Wiesen- und Ackerflächen, dichten Gebüschen, in denen zur Zeit üppig Hundrose, Holunder und Hartriegel blühen, und kleinen Baumgruppen. Durchzogen von einem Netz aus Bächlein und Gräben, die von Reihen hoher Weiden, Erlen und Pappeln gesäumt werden, deren weiße Blütenflocken gerade dicht herunterschneien. Und immer wieder sumpfigen Schilfbeständen, aus denen sich Schwärme von Stechmücken über die Vogelfreunde hermachten, die da durchs feuchte, hüfthohe Gras wateten.
Noch bevor die ersten Geinsheimer erwachten, erreichte die Gruppe durch die Hintergärten den Ort und konnte die Beobachtungsliste mit den hier häufigen Haussperlingen, Rauch- und Mehlschwalben und mit den allseits bekannten Weißstorchen auf dem Kirchturm ergänzen. Der Weg zurück führte uns nördlich der K 22 am Hintergraben entlang und wir erreichten Duttweiler gerade rechtzeitig, um dem ergiebigen Regen noch zu entgehen, der den Rest des Vormittags fallen sollte.

Hier noch eine Auflistung der registrierten Arten:
Nilgans, Stockente, Fasan, Graureiher, Weißstorch, Schwarzmilan, Mäusebussard, Turmfalke, Baumfalke, Hohltaube, Ringeltaube, Turteltaube, Kuckuck, Mauersegler, Grünspecht, Buntspecht, Feldlerche, Mehlschwalbe, Rauchschwalbe, Baumpieper, Bachstelze, Nachtigall, Hausrotschwanz, Amsel, Misteldrossel, Mönchsgrasmücke, Dorngrasmücke, Gartengrasmücke, Feldschwirl, Sumpfrohrsänger, Teichrohrsänger, Zilpzalp, Zaunkönig, Grauschnäpper, Kohlmeise, Blaumeise, Gartenbaumläufer, Neuntöter, Elster, Rabenkrähe, Saatkrähe, Star, Pirol, Haussperling, Buchfink, Kernbeißer, Grünfink, Stieglitz, Goldammer

Für diese schöne und lehrreiche Exkursion bedanke ich mich herzlich bei den Organisatoren,

Daniel Salzer, NABU Neustadt

Donnerstag, 7. März 2013

NABU Neustadt/Weinstr. erhält Gerhard-Postel-Naturschutzpreis

Als erste Naturschutzvereinigung in Rheinland-Pfalz wurde unsere NABU-Ortsgruppe im Storchenzentrum Bornheim (Südliche Weinstraße) mit dem neu geschaffenen, undotierten "Gerhard-Postel-Naturschutzpreis" vergangenen Sonntag, den 3. März 2013, geehrt.

Mit dem Preis wurden die Verdienste unserer Gruppe im Zusammenhang mit dem Projekt "Wassermanagement und Reaktivierung der Geinsheimer Wassergräben zwischen Fronmühle und Kropsbach" gewürdigt. Mit ausgezeichnet wurden die Kooperationspartner BUND Haßloch, GNOR, Landesjagdverband und der Storchenverein Lachen-Speyerdorf. Die Laudatio hielt der Vogelexperte Dr. Hans-Wolfgang Helb aus Kaiserslautern.

Von links nach rechts: Prof. Dr. Karl Keilen (1. Vorsitzender der Aktion PfalzStorch), Martin Grund (Vorsitzender NABU Neustadt) und Dieter Hörner (Mitbegründer und Ehrenvorsitzender der Aktion PfalzStorch)  


Neben der Urkunde erhielten wir eine Grafik als Anerkennung. Unter den zahlreichen geladenen Gästen befand sich sogar ein Bundestags- und ein Landtagsabgeordneter ;-)



Der NABU Neustadt bedankt sich ganz herzlich bei den Preisverleihern! Wir waren gerne bei Euch im Storchenzentrum zur Entgegennahme des Preises und dem anschließenden Sektempfang! Danke für Eure Gastfreundschaft und die gelungene Organisaton!


Foto: Claudia Grund
3.3.13. Zwei zurückgekehrte Störche auf einem Horst an der Storchenscheune Bornheim



Donnerstag, 7. Februar 2013

Mündungsbereich Hausgraben

Aktuell führt der Kropsbach Hochwasser, dadurch kommt es zum massiven Rückeinstrom in das System Hausgraben/Ölwiesengraben. Unsere Vermessungen vor ca. 2 Jahren haben gezeigt, dass das Wasser dann bis zu 2 km "rückwärts" nach Nordwesten läuft. Das Gefälle beträgt nur wenige Millimeter.
Pegelstand Brücke B39: 94 cm
Bild: der in Absprache mit der Oberen und Unteren Wasserbehörde modifizierte Mündungsbereich des Hausgrabens (ganz hinten der Kropsbach). Hier wurden vom NABU Neustadt und der GNOR millimetergenau drei Rohre mit je 300 mm Durchmesser für einen befristeten Probebetrieb eingebaut. Das untere Rohr (hier wegen hohem Wasserstand nicht sichtbar) darf von Januar bis Ende Juni verschlossen werden, die beiden oberen müssen als Notüberlauf immer offen bleiben.